, schrie Björn Dixgard, Sänger der coolsten Band der Welt- Mando Diao- ins Mikro, und los gings mit White Wall! *
Nicht nur darum mag ich weisse Wände. Immerhin konnte ich mir schon immer eine Zukunft in einem Raum mit (gepolsterten) weissen Wänden vorstellen… seit ungefähr Februar 2008 bin ich allerdings ein bisschen vorsichtiger mit diesen Wünschen- sie können nur allzu leicht in Erfüllung gehen!!
Meine Tolpatschigkeit erschwang sich an diesem Abend in ungeahnte Höhen, von allen bescheuerten Geschichten die ich bei Treffen und Partys zum Besten geben kann, ist sie mit Abstand die unterhaltsamste.
Also, ich fange an.
Es war ein kalter, grauer Februarabend. Die Blätter und Gräser draussen vor meinem Fenster waren noch feucht vom Nieselregen, der kurz zuvor gefallen war, und die Sonne verschwand viel zu schnell hinter dem Horizont, einen grauen, schmutzigen Streifen auf die Wolken zaubernd. In alledem muss das warme Licht, dass aus meinem Zimmer kam, ausgesehen haben, wie das einsame Licht eines Leuchtturms, der im tiefsten Sturm tapfer seiner Arbeit nachgeht. In dem Moment trat SIE ein. Sie war die schönste Frau, die ich bis dato hier gesehen hatte, und ich konnte an der Art, wie sie beim Laufen beunruhigt nach hinten blickte erkennen, dass sie nicht von hier stammte, nicht von Londons dreckigen Piers. Ich liess die Zeitung sinken und zog mir die Mütze tiefer ins Gesicht. “Sie müssen mir helfen!”, flehte sie, und— ähm, Moment. falsche Geschichte. Sorry.
Also nochmal. Es war wirklich ein kalter, grauer Februar Abend, es hat wirklich zuvor geregnet, und mein Zimmer war wirklich warm und hell… zu warm. Irgendwie heizt sich mein Zimmer viel zu schnell auf. Muss wohl an mir liegen. Naja.
Ich war gerade dabei, ein Bild von JARED LETO zu zeichnen (okay, das erklärt die Hitze! *Luftzufächel*), und beschloss ohne weiteres Nachdenken, ein Fenster auf zu machen. Nun hatte ich da die längste Zeit eine, wie ich glaubte, idiotensichere Technik, um das Fenster offen zu halten: Eine Reserverasierschaumdose zwischen die Fensterangel klemmen.
Diese Rasierschaumflasche habe ich mir mal gekauft, um für den Notfall vorbereitet zu sein: was gibt es blöderes, als sich die Beine rasieren zu müssen, und kein Schaum ist da?! Damit aber weder mein Bruderherz noch mein Vater den Schaum benutzten, stellte ich ihn bei mir ins Zimmer. Irgendwie hab ich ihn nie gebraucht, und daher als Fensteroffenhalter zweckentfremdet. Ein sicheres System. Idiotensicher.
Aber man muss immer mit dem Chaos-Faktor rechnen, und Chaos ist bekanntlich mein dritter Vorname!
Ich öffnete also mein Fenster, Rasierschaumdose rein, und zeichnete weiter. Irgendwann war es dann trotz unmittelbarer Nähe Jared Letos kalt, schweren Herzens löste ich mich von meinem Werk und machte das Fenster zu. Mit einem gutgemeinten, beherzten Schlag gegen den Fensterrahmen, der diesen auch wieder wie geplant zurückschlug.
Im selben Moment dachte ich mir noch “Moment, das war blöd.”, und dann machte es auch schon ffft!.
Ja, ffft. Nicht Boum oder Bang oder gar NJOOUUNG, einfach nur ffft. Ein Geräusch, so einfach und schrecklich wie… wie ffft eben.
Dann war alles weiss.
Klingt wie eine kitschige Soap- Nahtoderfahrung, war aber keine. ich entdeckte kein Licht am Ende eines Tunnels, es war einfach nur alles sehr weiss.
Hmm. Idee.
Ich nahm die Brille ab.. voll von weissem Zeugs. Hä?
Ich wollte nach meinem Shirt greifen, um das Zeugs abzuwischen, aber das Tshirt.. weiss.
Meine Hände…. weiss.
Meine Hosen… weiss. Der Blick wandert weiter:
Teppich: weiss.
Wände: weiss.
Fensterscheibe: weiss.
Pflanzen: weiss.
Rasierschaumdose: weg.
Kommode: wei— Halt stopp. was war das?? Rasierschaumdose: weg????
Ich stürzte zum Fenster, gucke auf die -völlig weisse!!- Pergula… keine Rasierschaumdose in Sicht..
oh shit.
Der Druck, den ich ungewollt auf der Dose habe lasten lassen, muss so stark gewesen sein, dass die Dose zersprang, und ffft!, der ganze Schaum seine Chance nutzte. der Unterdruck der Dose wurde auf einmal befreit, und tja.. der Schaum blieb, die Dose war weg. Schon allein die Vorstellung, wie diese Dose mit voller Karacho durch die Gegen fliegt… womöglich noch jemandem gegen das Hirn… shit!!
Jetzt versetzt euch mal in meine Situation: ihr habt euch gerade selbst und euer halbes Zimmer dazu in eine 7 cm dicke Schicht Rasierschaum eingesprüht, ohne die Dose auch nur berührt zu haben.. von der übrigens nichts mehr zu sehen ist…. was würdet ihr in diesem Moment tun??
genau!! Kathi anrufen!
Wenn ich nicht weiss was ich machen soll, frag ich Kathi. Also drehte ich mich zum Telephon um, entdeckte gleichzeitig, dass mein Jared-Bild absolut unversehrt geblieben war (ich habe den Rasierschaum mit meinem Körper abgefangen. Ist das nicht romantisch??), und griff zum Telephon. Schmierte grob das ganze Weiss ab (nicht leicht, wenn man selbst voll davon ist!), und wählte Kathis Nummer… währenddessen kam mir.. “shit, das glaubt die mir NIE.”
Wer würde einem sowas auch glauben??? “Hi, ich hab mein Zimmer in Rasierschaum getunkt, was soll ich jetzt machen??”…. ganz klar!! —>MAMA!!
Also flux aus dem knöcheltiefen Schaum nach unten zum Haustelephon gehuscht… Nach Telephonnummer der Praxis gesucht, in der meine Mom arbeitet, und angerufen…
“Ja hallo, Caina?”
“Ja hier auch. Ähm, Mom? Ich muss dir jetzt ein paar Fragen stellen, aber lass dich nicht von deiner Arbeit abhalten..!” (meine Mom ist Physiotherapeutin, sollte also konzentriert sein^^)
“ähm, okay?”
“Wie würdest du… Rasierschaum von… sagen wir mal… einem Teppich wegmachen?”
“des Gröbste wegschaffen und dann saugen, wieso?”
“und… von den Wänden?”
“einfach wegwischen, warum denn?”
“und von Pflanzen??”
“auch wegwischen, was ist denn passiert???”
… und da brach es durch. Unter Lachtränen erklärte ich meiner Mom mein neustes Werk, und unter Lachtränen legte sie auf.
Ich sofort zurück hoch, mit allen möglichen Hilfsmittel den Schaum vom Boden abtragen.. und glaubt, mir, dass ist echt viel!!! Seid ihr schon mal mit zwei Handvoll Rasierschaum im Bad vor dem vollen Waschbecken gestanden und habt euch gefragt, wohin mit dem ganzen Zeugs? ich schon! (in die Badewanne natürlich!)
Whrend dem Teppichschaumabtragen herrschten die tollsten Gedanken in meinem Kopf: Sollte ich nicht eher mit einem Rasierer drüber gehen? Oder bei der Firma anrufen?? “Hallo, ich habe ein Problem mit einem ihrer Produkte..mein Teppich ist voll davon.. nein, wirklich voll…”.. auf der Dose musste doch sicher eine Nummer stehen… das brachte mich zum nächsten Punkt: wo war diese verdammte Dose??? Das Bild von einem armen Passanten, der nichts ahnend von einer tollwütigen Rasierschaumdose niedergeschlagen wurde, wollte mir nicht aus dem Kopf. Ich lehnte mich also wieder aus dem Fenster… immernoch weiss von Kopf bis Fuß, wohlgemerkt, und starrte erneut auf die schneeweisse Pergula. Bemerkte dabei, dass die Hauswand um mein Fenster herum auch noch weiss war… und entdeckte im Augenwinkel ein herzallerliebstes ältliches Paar, dass auf der Strasse mir gegenüber stand und glotze. So richtig. ich glotzte zurück.
“Alles okay bei Ihnen???”, fragte mich die Oma entsetzt.
“Jaja, ich backe!”, rief ich automatisch zurück, und wunderte mich selbst erst darüber, als das Paar schleunigste weitereilte.
Zurück an die Arbeit. Putzen, Wischen, Saugen, Duschen, stundenlang, und mit diesem wunderbaren frischen Duft von Rasierschaum in der Nase (wortwörtlich). Ein Glück dass ich allein zuhaus war.
Stunden später kam mein Bruder nach hause und fand mich grummelig im Bad vor, wie ich entnervt meine ganzenm Bilderrahmen u.ä. abwusch.. sagen wir so, er hatte seinen Spass.
Mein Dad auch, und meine Mom ebenfalls.
Übrigens, meine Mom musste natürlich ihren Kollegen erklären, warum sie so lachte. Was logischerweise auch deren Patienten mitbekamen. Unter anderen… mein Grundschulschwarm aus der dritten Klasse.
Der mich am nächsten Morgen mit einem breiten, unheimlich belustigtem “Na, hasch dein Zimmer noch sauber gekriegt?” begrüßte.
Danke Mama, danke.
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* http://www.youtube.com/watch?v=nuxjgu7HjUs