Ein bisschen Spass muss sein…
Montag, 13. Oktober 2008Howdie hey!
heute ist der letzte Montagmorgen gewesen, an dem ich in dieses blöde Krankenhaus laufen musste. Der letzte Montag, an dem ich die übelgelaunten Gesichter und genervten Befehle vom Krankenhauspersonal aushalten musste. Ich stand im Bus, als ich mir diesen Gedanken auf dem Großhirn zergehen liess. Trotz der vielen hyperaktiven Grundschüler und pubertären Gymnasiasten ging es mir in diesem Moment einfach brilliant. Kaum kam ich im ersten Stock des Herrenberger Krankenhauses an, kam mir Schwester A. entgegen.
Schwester A. war eine der Pflegerinnen auf der Intensivstation. Die zwei Wochen darauf waren einfach die Hölle. Nicht immer war A. daran Schuld, im Gegenteil. Sie bescherte mir sogar eine wundervolle zweite Woche, indem sie Anrief und mit einer Giesskannenstimme “Ich bin krank” in den Hörer rotzte, und mir somit immer ein Bild ins Hirn projizierte, welches mich die üblen Stunden überstehen liess: Egal was auch kommt, es gibt doch noch Gerechtigkeit.
Wie auch immer, an diesem Morgen katapultierte ihre Gesichtsbaracke mich wieder runter ins Erdgeschoss. Mist. Hinter ihr lief aber Pfleger A., der bisher der einzige Angestellte des Krankenhauses war, der mich fragte, wie es mir denn so erging. Genauso dieses mal: Domi: “Hallihallo”; Pflegerin A: “….”; Pfleger A.: “Domi, hey!! Wie gehts dir!”
Da wurde mir klar, wie wichtig sowas ist. Das klingt jetzt absolut kitschig, aber denkt mal wirklich darüber nach: wenn man jemanden trifft, der freundlich zu einem ist, dann hilft einem das durch den ganzen Tag! Also ich persönlich brauche ab und an diese Bestätigung: Ja, es gibt noch nette Menschen auf der Welt! Leute, die einfach um der Sache Wille nett sind, ohne etwas für sich selbst herauszuschlagen. Um genau die soll es in der Kategorie “Nebenrollen und Statisten” gehen!
(ich hab grad aus Versehen meine Plastikwasserflasche auf dem Kopf meiner Katze abgestellt?! Oo was macht das Viech denn auch da unten??)
so, also. fangen wir an.
Meinen bisherigen Lieblingsstatisten habe ich gerade mal 2 Minuten gesehen, danach -leider!- nie wieder. Er war ein Postbote, und kennen wir die nicht alle? Meistens gestresst und genervt, bringen kaum ein “Hallo” raus, bevor sie dir gleichzeitig das Päckchen und das Gerät zum Unterschreiben in die Hände drücken. Sorry Made, sorry Beko, aber so ist es doch meistens.
Nun, bei dem Herrn Amazonas war das anders*. Es klingelte an der Tür, und ich ging ran.
Herr Amazonas hielt das Päckchen hoch und rief “Post ist da!”
Ich meinte daraufhin lächelnd: “Cool, dankeschön!”´, griff nach dem Karton, aber verfehlte: Herr Amazonas schwenkte ihn blitzschnell ausserhalb meiner Reichweite und schaute mich entrüstet an. “Wie, das wars schon?”
Verwirrt wusste ich erst nicht, was er nun von mir wollte, und wahrscheinlich konnte man das meinem Gesichtsausdruck nach nachvollziehen. Herr Amazonas zog eine Schnute und meinte “also wenn sie sich nicht freuen, dann kann ichs auch wieder mitnehmen.”
Ich verstand und lachte. “was erwarten sie denn?” - “Na, etwas mehr Freude!” - “Quietschen und Kreischen?” -”ja genau, dann wissen sies jetzt für das nächste Mal..”, aber ich wusste etwas besseres: “sollen wirs nochmal machen?”. Herr Amazonas war begeistert.
Ich schlug die Tür also wieder zu und rannte zurück in die Küche. 10 Sekunden später schrillte die Türglocke wieder, ich wartete selbst nochmal 20 Sekunden, bevor ich zur Tür rannte, sie aufriss und laut und tussig “OH MEIN GOTT!!!”, kreischte. Herr Amazonas zauberte das Päckchen mit breitem Grinsen und fröhlichen “Tadaa!!” hinter seinem Rücken hervor, ich schlug mir die Hände über den Mund und rief “na endlich!!”.
Derweil war meine Mom vom wiederholten Klingeln und meiner Präsenz alamiert worden und beobachtete das ganze Spektakel von der Treppe aus. Als ich Herrn Amazonas um den Hals fiel und er galant ein weisses Taschentuch hervorzauberte, mischte sie sich mit einem “ist sie jetzt völlig durchgeknallt?!” ein.
Lachend lösten wir uns voneinander, ich mit meinem Päckchen, er mit seinem Taschentuch und drehten uns zu ihr um. “Der nächste Schritt wären Küsschen, aber so weit sind wir noch nicht.”, antwortete Herr Amazonas schneller als ich, und dann verabschiedeten wir uns auch schon wieder lachend und winkend von einander. Das Ganze hatte vielleicht 2 Minuten, höchstens, gedauert.
Der Tag war danach einfach gerettet- sowas hebt die Stimmung eben zum Höhepunkt. Es ist doch schön zu wissen, dass man Spass mit Wildfremden haben kann, und man muss nicht mehr tun als miteinander zu reden und Emotion zu zeigen. So wenig reicht schon, um zwei Menschen den Alltag zu verschönen- ist das nicht super??
Also Leute, die Moral von der Geschicht ist: Freundlichkeit und Herzlichkeit machen sich bezahlt. Vielleicht nicht mit Geld, aber mit Spass, und man kann danach tolle Storys erzählen!!
und nun geht hinaus in die Welt und verbreitet Freude, meine Jünger…
——————-
* nein, ich weiss nicht, wie er hiess. Aber ich habe bei einem bestimmten Internetportal ein Päckchen bestellt, und danach hab ich ihn benannt. Ich wollte aber keine Schleichwerbung machen, darum heisst er Herr Amazonas.