Er ist tot, Jim.
Keine Sorge meine Jünger, euer Flehen und Hoffen hat ein Ende! Es tut mir leid, dass ihr so lange Zeit ohne meine wertvollen Ratschläge und Warnungen durch euer tristes Alltagsleben irren musstet, doch sehet da- das Beten und Wimmern kann nun zum Erliegen kommen, eure Gebete sind nicht unerhört geblieben: Ich bin wieder da.
…. Entschuldigung, ich muss mir gerade ein bisschen Selbstvertrauen einimpfen. An nächster Woche fahre ich nämlich im Rettungsdienst mit, ja genau, aufm Rettungsfahrzeug, mit Blaulicht und Tatütata und so Zeugs.
Die schöne “Zeit nach dem Abi” ist vorbei! Die letzten drei Wochen habe ich damit verbracht, den Schäfchenwolken beim Vorbeiziehen an der schönsten Augustsonne zuzusehen, während die Vögel fröhlich auf den grünen Ästen der Birken sangen, die leicht im Wind hin und herschaukelten. - von meinem Unterrichtszimmer im Keller des DRK- Ausbildungshauses hab ich das sehr sehr gut beobachten können.
Dort saß ich tatsächlich Montag bis Samstag (!!) von 8 bis 18 Uhr (!!) und habe mich mit der Physiologie der Atmung, der Patophysiologie des Herz/Kreislaufsystems und den Maßnahmen bei einem septisch- toxischen Schock beschäftigt. Ich weiss jetzt, dass ein Aortenaneurysma eigentlich eine tickende Zeitbombe ist, dass Schlaganfall auf lateinisch Apoplex heisst, und sich in TIA*, PRIND ** und SAB*** einteilt, kann beurteilen, ob man einem Patienten besser Katecholamine oder Hypertonika geben sollte, und bin in der Lage, die einfachsten Dinge superkompliziert und mit vielen klugscheisserischen Begriffen darzustellen.
Ohne dafür bezahlt zu werden.
Das unterstützt meine Theorie mal wieder, die besagt, dass die Menschen mit dem größten Fachvokabular eigentlich die größten Idioten sein müssten, irgendwo muss ja kompensiert werden.
Eigentlich höchst elementär.
Aber was solls. Jetzt kann ich Besserwisser spielen, und mehr brauch ich eigentlich nicht um glücklich zu sein. Ja gut, andere Arbeitszeiten wären nicht schlecht, und okay, ein kleinwenig Orientierungssinn wäre durchaus von Vorteil, wenn man einen Krankenwagen und/oder einen Rettungswagen fährt (und wo wir grad beim Thema sind, Talent beim Autofahren is manchmal auch von großem Nutzen), aber immerhin kann ich nach dem dritten missglücktem Versuch, das Katharinenhospital zu finden, von meinem falschintubierten Patienten aufsehen, einen wichtigen Gesichtsausdruck aufsetzten und mit gravierender Stimme “Er ist tot, Jim.” sagen. (mein Rettungstutor heisst Bastian.)
Yay!
Ausserdem sehe ich sehr authoritär aus in meiner roten Rettungsdienstjacke und kann Polizisten zu Infusionsständern umfunktionieren!
..Das alles eigentlich nur, um mitzuteilen, dass ich in nächster Zeit wieder öfters was schreiben werde!
Man sieht sich! Domi
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*TIA: transitorische ischämische Attacke
**PRIND: Prolongiertes reversibles ischämisches neurologisches Defizit
*** SAB: subarachnoidal Blutung
26. August 2008 um 06:01
wird man für ein fsj nicht bezahlt? O.o
26. August 2008 um 13:04
1 Jahr verpflichtung, schlechte bezahlung, unmenschliche Arbeitszeiten und absolute Intolerantz von der übriegen Bevölkerung…tja was soll man dazu sagen…Willkommen beim Deutschen Roten Kreuz
Viel Spaß und Glück weiterhin
Grüßle